Zur Geschichte der Jakobskirche in Niederstetten

Jakobskirche in den 30er Jahren (Quelle: Heimatbuch der Stadt Niederstetten)

 

Die erste urkundliche Erwähnung der stattlichen Kirche, die auch heute Mittelpunkt des evangelischen Lebens in Niederstetten ist, findet sich im Jahr 1290. Eine Verbindung aus jener Zeit weist auf das Neumünster in Würzburg hin und mit großer Wahrscheinlichkeit ist der spätromanische Bau in den Jahren 1230/40 - hundert Jahre vor der Verleihung der Stadtrechte - entstanden.

 

Durch Grabungsfunde konnte eine frühe Besiedlung jenes Platzes nachgewiesen werden. Knochen- und Keramikfunde weisen auf das 10. Bis 12. Jahrhundert hin und auf einen Kirchhof, der vermuten lässt, dass es schon eine Vorgängerkirche gab.

 

Die rechteckige Saalkirche mit eingezogenem beinahe quadratischem Chor, wie sie heute zu sehen ist, geht auf einen Umbau im Jahr 1788 zurück und zeigt eine Mischform aus romanischen und barocken Bauteilen. Besonders in der Verschiedenheit der Fenster wird dies deutlich. Der lichte weite Innenraum wurde mehrmals verändert.


Bis zur „Barockisierung“ und Erweiterung des Kirchenraum hatte das Gebäude einen eigenen Kirchturm. Erst nach diesem Umbau hat man den ehemaligen Torturm, der auch Eingang zum Friedhof war, umfunktioniert. Er wurde aufgestockt und als Glocken- und Kirchturm genutzt. Eine Besonderheit bis heute, der freistehende „Campanile“,der dem Ensemble mit den Gebäuden des angrenzenden Markplatzes ein leicht südländisches Flair verleiht. Auf die Bewohner der Stadt blickt dabei das Wahrzeichen der Stadt das sogenannte „Steidemer Männle“ herab.
Auf der nördlichen Seite des Innenraums eingelassen finden sich außerordentlich gut erhaltene Epitaphe der Herren von Rosenberg, die einst die Herrschaft über Niederstetten innehatten. Über dem Langhaus spannt sich in Stuckornamentik eingefasst die Darstellung der Trinität, umrahmt von der Symbolik der vier Evangelisten. In der Decke über dem Passionsaltar schwebt mit weit ausgebreiteten Armen Christus, der Auferstandene gen Himmel.
In der Blickachse des Besuchers, nachdem dieser die Kirche durch den westlichen Haupteingang betreten hat liegt ein Schnitzaltar, der zu Beginn des 16. Jahrhunderts entstanden ist. Es handelt sich um einen Passionsaltar mit 2 Flügeln, deren Kreuzigungsdarstellung nur an Karfreitag zu sehen ist. Die Schnitzarbeiten und die Malerei verweist auf Anknüpfungspunkte an den berühmten Zeitgenossen Tilman Riemenschneider. Spätgotische Schnitzfiguren, die ursprünglich wohl in einem anderen Zusammenhang standen, sind nun über die ganze Kirche verteilt.


In der Nische einer noch sichtbaren zugemauerten Eingangstür auf der Nordseite findet sich Jakobus, mit Wanderstab, Brustbeutel und Muschel am Pilgerhut. Hinweis auf eine Verbindung mit der Tradition der Jakobuspilgerschaft. Über dem Altar, an exponierter Stelle für die Gemeinde blickt man auf ein aufwendig barockes Orgelprospekt mit der Inschrift: „…dieses Orgelwerk ist erbauet worden 1742“

Die Stadtkirche hat nach der letzten Renovierung etwa 380 Sitzplätze und wird auch wegen der hervorragenden Akustik gerne für Konzertveranstaltungen angefragt und genutzt.